von
Kgl. Forstmeister a. D. Max Fuchs
in Bischofsheim/Rhön

Nordöstlich vom Kreuzberg und östlich des Arnsbergs, mit diesem durch einen Sattel zusammenhängend und umgeben von den drei Ortschaften Bischofsheim, Frankenheim undHaselbach, im Bezirke des ehemaligen Salzforstes, erhebt sich ein nach allen Seiten steil abfallender, auf seiner oberen Hälfte bewaldeter, 715 m hoher Basaltkegel, der Osterberg.
An seinem Fuße vorüber, durch Bischofsheim, zog von jeher die Handelsstraße durch die Rhön von Neustadt a/Saale gegen Fulda und den Rhein hin und heute noch kreuzen sich die Wege nach wüstensachsen-Hilders, nach Gersfeld und Brückenau und alle Besucher des Kreuzberges, sie mögen aus der Fuldaer Gegend oder über Neustadt a. S. kommen, müssen am Osterberge vorüber. In den Zeiten des 8. und 13. Jahrhunderts mag der Osterberg noch viel mehr ein wichtiger Punkt gewesen sein, zumal er auch zugleich an der Grenze des Salzforstes, sonach des würzburger und Fuldaer Gebietes lag. Der Bischofsheimer Chronist Pfarrer Schumm glaubt sogar annehmen zu dürfen, daß daselbst dereinst die heidnische Frühlingsgöttin Ostara eine Stätte der Verehrung hatte und die Sage ging im Volke, daß früher ein großes Schloß auf dem Osterberge gestanden sei. Dr. J. Schneider von Fulda stellte in seinem Rhönführer die Vermutung auf, es sei ursprünglich ein Carolingisches Jagdschloß daselbst gewesen und der fränkische Geschichtsforscher L. Frieß behauptete sogar Bischof Heinrich IV. (Casens) von Würzburg (1206) sei auf der Osterburg geboren.
Von dieser Osterburg nun war über der Erden nichts mehr sichtbar und Dr. J. Schneider sagte selbst noch in seinem Rhönführer: "Die Osterburg lohnt den Besuch nicht, da von der Burg kaum mehr eine Spur zu finden ist." Dies ist nun seitdem anders geworden.
Im Juni 1897 nämlich stießen Waldarbeiter gelegentlich einer Weganlage dortselbst auf Reste von Mauerwerk, worauf der Kgl. b. Forstmeister Max Fuchs von Bischofsheim aus Mitteln des Rhönklubs die ersten Nachgrabungen veranstaltete, welche ein derart gutes Resultat ergaben, daß auf erstatteten Bericht hin, der damalige Kgl. Regierungspräsident von Unterfranken, Excellenz Dr. Graf v. Luxburg, sich lebhaft für die Sache interessierte und sie in hochherzigster Weise unterstützte, sodaß die Ausgrabungen kräftig fortgesetzt werden konnten. Ebenso fand das Unternehmen dauernd die hilfreichste Unterstützung des Kgl. bayer. Staatsministeriums, der Kgl. Regierung von Unterfranken und des Landrats, des Distriktes und der Stadt Bischofsheim, des Rhönklubs und zahlreicher Privater, wie auch den beteiligten waldbesitzenden Gemeinden besonderer Dank gebührt, für die bereitwilligst erteilte Erlaubnis zur Freilegung der Ruine.
Wie der vorliegende Plan zeigt, so ist der Erfolg der Ausgrabungen ein nahezu vollständiger. Das ganze Fundament der Burganlage ist freigelegt und ergibt solche eine Längenausdehnung von ca. 114 m von Ost nach West und eine durchschnittliche Breite von 60 m. Die Stärke der Mauern, welche aus Sand-, Kalk-, Kalktuff-, Basalt- und Backsteinen aufgeführt sind, beträgt nicht unter 1,20 m bis 3 m und der große runde Turm (Bergfried) hat einen Innendurchmesser von 10 m und eine Fundamentstärke von 3 m. Der Haupteingang befindet sich im Osten und wird durch einen Torturm gebildet, von dem noch zwei Stümpfe erhalten sind. Diese lassen einen mit Basalt gepflasterten Torweg frei.
Unweit dieses Eingangs steht der mit den ausgegrabenen Steinen bis zu 13 m Höhe wieder aufgebaute runde Bergfried und am Westende des Burgfeldes befindet sich der in die westliche Ringmauer eingebaute Stumpf eines 10 m im Gevierte messenden viereckigen Turmes, der einen hohlen Zylinder von 4,20 m enthält. Dieser stellt ein Verließ vor, das bekanntlich nur von oben mittels einer Leiter oder eines Seiles zugänglich war. Bis zu 5 m hohe Schuttmassenmußten bewegt werden, um die zum Teil noch 3 m hohen Mauerwerke, die ganz unter denselben verborgen waren, freizulegen. Auf dem höchstgelegenen Teile der Burganlage stand der Palas, von diesem führen zwei rundbogig gewölbte Tore mit Treppenanlagen in den südlichen Zwinger, in welchem sich 6, früher gewölbte Räume befinden. Auf der Nordwestseite der Burg gelangt man über zwei verschiedene Treppen in weitere vier, ebenfalls gewölbt gewesene Baulichkeiten von bedeutender Ausdehnung. Die Ringmauer ist gleich den Umfassungsmauern der anderen Gebäude meist in der Weise hergestellt, daß Quadern einen Doppelmantel bilden, welcher Steinbrocken in Mörtel einschließt. Die Ringmauer ist in einer Entfernung von durchschnittlich 10 m von einem in der Mitte 6 - 8 m tiefen und 8 - 10 m breiten Graben umgeben, der im Osten und Westen die Gestalt eines Halsgrabens hat und halbmondförmig an den sehr steilen Gehängen der Nord- und südseite endigt. Aus diesen Dimensionen und der ganzen Anlage möchte hervorgehen, daß die Osterburg einst mächtig und wohlbefestigt war. Sehr große Ähnlichkeit in ihrer Anlage, nach Stil und dem verwendeten Baumateriale hat die Osterburg mit der Ruine Münzburg in Hessen und dürfte wohl auch gleichaltrig sein. Das Gutachten des Kgl. b. Generalkonservatoriums in München, welches durch einen Kgl. Konservator die Oberleitung der Ausgrabung führte, lautet dahin: "daß dem Unternehmen der Ausgrabung der Osterburg ein mehrfaches historisches und auch ein kunstgeschichtliches Interesse zukomme, daß die architektonischen Fundstücke die epoche des entwickelten Romanismus bezeugen und auf das 12. und 13. Jahrhundert deuten und daß demnach die Osterburg sich den Burganlagen des hohenstaufischen Zeitalters anreihen dürfte. Die Durchführung der Ausgrabung erscheine wünschenswert genug um eine Unterstützung aus öffentlichen Mitteln zu rechtfertigen."
Zahlreich sind die ausgegrabenen Fundstücke, von welchen die ornamentalen sämtlich im romanischen Stile gehalten sind. Sie bestehen aus Consolen, Säulen, Gesimsresten mit Verzierungen, Tor- und Fensterbogen, Falzbacksteine für Fußbodenbelag, Backsteine und Ziegel, Reste eigentümlicher Tongefäße, handgeformte Krugreste, Kindersspielzeug von Ton, viele spinnwirtel, farbige Glasstücke, eine Bronze-Schüssel, zahlreiche Hufeisen von Pferden, Maultieren und Eseln, Schließen und Schnallen von Bronze, Kupfer und Eisen, eine Menge großer und kleiner Schlüssel, Sporen, Messer, Dolch, Pfeilspitzen, Bratgabeln, Nägel, Hammer, Beil, Zange, Sicheln, Teile von Hirsch- und Rehgeweihen, Wildschweinhauer und vieles Andere.
Sämtliche Fundstücke, soweit sie nicht noch auf der Osterburg selbst liegen, sind in einem besonderen Lokale des Rathauses zu Bischofsheim verwahrt und zur Besichtigung ausgestellt.
Seit dem Beginn der Ausgrabung der Ruine Osterburg haben sich nun verschiedene Herren Sachverständige für dieselbe interessiert und auch den geschichtlichen Teil derselben zu erforschen gesucht. Es waren und sein dies besonders die Herren: Dr. W. M. Schmidt, Kgl. Konservator am Generalkonservatorium in München, Bürgermeister Otto Schnell in Neustadt a. Saale, der Geschichtsschreiber der Salzburg, Kgl. Professor und Historiker Dr. J. C. Schmidt + in Würzburg und der + Pfarrer A. Schumm, der Chronist von Bischofsheim/Rhön. Denselben sind die meisten der geschichtlichen Aufschlüsse über die Osterburg zu verdanken und ihrer bezüglichen Forschungen, wie schriftstellerischen Abhandlungen sind die wichtigsten der nachstehenden Ausführungen entnommen.
Über die Abstammung des Namens Osterburg herrschen verschiedene Meinungen. Pfarrer Schumm meint von "Ostara", der heidnischen Frühlingsgöttin, und begründete seine Ansicht damit, daß nach dem Kreuzberge der Osterberg der hervorragendste Punkt der Gegend sei und daher recht wohl eine Verehrungsstätte der Ostara gewesen sein könnte; überhaupt sei die Gegend um Bischofsheim "Götter"-Gegend, so der Kreuzberg, der früher Asenberg, der Bauersberg = Baldursberg, der Hellwald = Hellawald, die Hell = Holla, und weil heute noch in dieser Gegend die altheidnischen Gebräuche zur Zeit der Frühjahrs- und Sommer-Sonnenwende geübt werden, nämlich das Herumziehen auf den Bergen mit brennenden Fackeln zur Osterzeit, die Heuräder und Johannisfeuer zu Ehren der Göttinnen des Lichts und des Lebens - Ostara und Holla. -
Dazu die Volkssage, daß heute noch von Zeit zu Zeit auf dem Osterberge eine Jungfrau im strahlenden Gewande umherirre, die bald ihren Geliebten (Frühling) suche, bald beklage, da sie ihn verloren (Herbst).
Professor Dr. J. C. Schmit dagegen nahm die Abstammung des Namens Osterburg von "Östlicher" Burg an, weil die Osterburg die östlichste Burg des damaligen großen Frankenreichs gewesen sei, ferner weil auch an vielen anderen Orten ähnliche Bezeichnungen existierten, wie : Osterbarken, d. i. östlich des Limes gelegenes Römerkastell, Westerbur, Osterberg im Allgäu, Westerburg im Hildesheimischen, Osterland im Altenburgischen, Westerland in Holstein, Osterwald in Hannover, Westerwald in Nassau, dann Österreich d. i. Ostreich usw.
Auf Grund der Ausgrabungen läßt sich aber jedenfalls annehmen, daß die Osterburg, wenigstens als erste Siedlung, sehr alt ist. Professor Dr. J. C. Schmitt nimmt 3 Perioden an:
Die ersten Anlagen mögen weniger bedeutend gewesen zu sein und hängen wahrscheinlich mit der Besetzung des Landes durch die Franken zusammen.
Kein Zweifel aber dürfte darüber bestehen, daß die Osterburg zur Zeit Karls des Großen, also 771 - 814, schon bestand, als er wiederholt (790, 793, 803, 804) auf der Kaiserpfalz Salzburg bei Neustadt a. Saale weilte, und daß er als sehr eifriger Jäger die Osterburg bei Ausflügen in diesen entferntesten Teil des Salzforstes als Aufenthalt benützte und auch als Zwischenstation bei seinem Verkehre zwischen der Salzburg und Fulda - damaliger Ausbau des Domes zu Fulda -. Auch ging überhaupt einst die große Heerstraße vom Rhein - Mainz über fulda nach Thüringen, erbaut vom fränkischen König Dagobert (630), dem Fulda- und Brendtale entlang, an der Osterburg vorüber.
Um indessen das Alter der Osterburg recht beurteilen zu können, möchte daran erinnert werden, daß z. B. das Kloster Kreuzberg erst 1680 durch den Fürstbischof Philipp von Dernbach erbaut wurde, also nicht weniger als 400 Jahre nach dem mutmaßlichen Untergang der Osterburg, und daß der Centturm in Bischofsheim, sowie dessen Stadtmauer, nachweislich größtenteils mit Steinen von der Osterburg aufgeführt wurden, denn es finden sich Ziersteine am Centturme, Fenstergewände und Türbogen in der Stadtmauer eingemauert und andere Ornamente nach Bischofsheim verschleppt, die unzweifelhaft von der Osterburg stammen. Urkundlich läßt sich aber nun die Existenz eines Jagdschlosses oder einer Befestigung aus der Merowinger oder Karolinger Zeit auf dem Osterberge nicht nachweisen, allein es ist anzunehmen, daß die Fürstbischöfe von Würzburg, in deren Besitz der Salzgau im Jahre 1000 übergegangen war (Schenkung Kaiser Otto III.) im Laufe des 11. und 12. Jahrhunderts die Osterburg zum Schutze ihres dortigen Grenzbezirks - Würzburg-Fulda - haben erbauen oder ausbauen lassen, und daß sie dann, wie es damals gebräuchlich war, mehreren Adeligen als Burgmänner überwiesen wurde. An der Ruine ist deutlich erkennbar, daß verschiedene Mauerwerke, insbesondere die Ringmauer auf der am meisten gefährdeten Westseite der Burg durch anderes Steinmaterial verstärkt resp. verdoppelt wurde. -
Ein nach der Osterburg sich nennender Adeliger findet sich zuerst in einer Urkunde von der Salzburg vom Jahre 1200, nämlich Reinhold von Osterburg (Archiv ds. histor. Vs. v. Unterfr., Bd. XXVIII, S. 51). Zweifellos aber ist die Zusammengehörigkeit mit der Osterburg bei einem Engelhard von Osterburg, der mit Marschall Heinrich v. Lure, Albert v. Hildburg, Otto und Harold v. Bastheim unter den Zeugen einer Urkunde vom 9. Februar 1217 sich befindet (Archiv ds. hist. Vs., Bd, XV, S. 141). Ferner kommt derselbe Engelhard v. Osterburg nebst Heinrich Marschall v. Lure, Günther v. Brende, Harald v. Bastheim, Albert v. Herbesfeld (Herschfeld) unter den Zeugen einer im Dezember 1230 ausgestellten Urkunde vor (Archiv ds. hist. Vs., Bd. XXVIII, S. 61).
Die einzige unzweifelhaft auf die Osterburg bei Bischofsheim a. Rhön bezügliche Urkunde vom 23. Sept. 1231 aber befindet sich im Kreisarchive zu Würzburg und diese gibt mit Sicherheit Aufschluß über zwei Familien, die in jener Zeit auf der Osterburg saßen.
Jene Urkunde enthält nämlich einen Schiedsspruch des Fürstbischofs Hermann von Würzburg in Streitigkeiten zwischen seinem auf der Osterburg sitzenden Stiftsmarschall Heinrich von Lure und Botho von Eberstein sen., des gefürchtetsten Raubritters der Rhön, dessen Schwester Kunigunde ersterer geheiratet hatte. Nach diesem Schiedsspruch nun erhielt der eine Sohn des Eberstein - Botho - die Marschallswürde und einen Hof auf der Osterburg, der andere Sohn, Volger, einen Hof auf der Salzburg als Lehen.
Wie nun der Geschichtsforscher der Salzburg, Herr Bürgermeister O. Schnell in Neustadt a. Saale, auf Grund Salzburger Urkunden schon bei Beginn der Ausgrabungen vermutete, so hat sich durch dieselbe ergeben, daß damals auf der Osterburg tatsächlich 4 Ansitze vorhanden waren, und zwar befinden sich hiervon 2 auf der Süd- und 2 auf der Nordseite, auch ist aus den vorstehenden Ausführungen zu entnehmen, daß die Bewohner derselben Stiftsmarschall Heinrich v. Lure, Botho v. Eberstein, Engelhard v. Osterburg und wahrscheinlich Günther v. Brende waren.
In der sogen. Ebracher Handschrift des Michael de Leone (Archiv ds. hist. Vs. v. Unterfranken 1854, Bd. 13, S. 111 - 120), deren Ursprung in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts fällt, werden nun alle befestigten und zur Verteidigung des Bistums geeigneten Plätze aufgeführt, darunter auch das Castrum Byschoffheim, und es befand sich demnach hier, gleichzeitig mit der Osterburg, ein befestigter Platz, ebenfalls unter adligen Burgleuten der Fürstbischöfe von Würzburg. Wer dieselben waren, ist nicht bekannt, doch scheinen auch sie bald gemeinsame Sache mit den buchonischen Raubrittern gemacht zu haben, wie aus Nachstehendem hervorgehen dürfte.
Der größere Teil des rhöner Adels auf Würzburger wie auf Fuldaer Gebiet gehörte damals zu den gefürchtetsten Raubrittern, die ihren Landesherren, besonders den Fürstäbten von Fulda, in deren Land ihre Hauptbesitzungen lagen, durch ihre Unbotmäßigkeit und Gewalttaten fortwährend Verdruß bereiteten. Da hier mit guten Worten nichts auszurichten war, so sahen sich die Landesfürsten genötigt gegen die Ruhestörer zu Felde zu ziehen. Die Fürstäbte von Fulda und die Fürstäbte von Würzburg lagen aber selbst unter sich öfters in Fehde und nachdem die Grenze der beiderseitigen Gebiete mitten durch die Rhön ging, etwa wie gegenwärtig die bayerisch-preußische Grenze, so flüchteten sich jedesmal die Raubritter, wenn der eine Landesherr gegen sie vorging, auf das Gebiet des anderen über die Grenze und befanden sich in Sicherheit.
Als nun aber im Jahre 1270 das Stift Fulda wider entsetzlich durch die Raubritter zu leiden hatte, so beschloß Fürstabt Bertho v. Leipolz in Fulda dem Unwesen alsbald ein Ende zu machen. Er sog gegen die wilden Gesellen zu Felde und brachte ihnen mehrere Niederlagen bei, worauf sie wieder über die Grenze flohen und Schutz hinter den Mauern der Würzburgischen Feste Bischofsheim suchten. Fürstabt Bertho aber ließ sich diesmal durch die Grenze nicht abhalten, er belagerte die Feste, ließ Feuer hineinwerfen und nahm die Ritter, welche zuletzt in eine in der Nähe befindliche Befestigung geflüchtet waren, daselbst gefangen. (Schaunat hist. Fuld, pag. 200 u. 201.)
Was für eine Befestigung es aber gewesen ist, in welche die bedrängten Ritter sich geflüchtet hatten, ist nicht angegeben, da aber die Osterburg die einzige in der Nähe Bischofsheims gelegene Burg war und die mitbeteiligten Eberstein darin einen Ansitz hatten, so möchte kaum ein Zweifel bestehen, daß diese sich mit ihren Genossen dahin zurückzogen und dort gefangen wurden. Es würde diese Annahme auch mit der Sage stimmen, welche verkündet, daß bei einer Belagerung der Osterburg die verborgene Wasserleitung durch den Hufschlag eines durstigen Pferdes vom Feinde entdeckt und zerstört worden sei, worauf sich die Besatzung aus Wassermangel habe ergeben müssen. Nach einer anderen Erzählung habe ein altes Weib aus Rache die Wasserleitung den Belagerern verraten. Durch die Ausgrabung ist nun festgestellt, daß die Osterburg nicht im Sturm erobert und, wie das üblich war, verbrannt wurde, sondern daß sie nach der Einnahme geschleift wurde, denn es fanden sich bei der Ausgrabung weder Brandschutt noch Balkenwerk, auch keine Türe und keine Schlösser mehr, dagegen zahlreiche Schlüssel, welche bei der Verschleppung der tore etc. etc. offenbar verloren worden waren. Auch mögen, aus der Frische der zu Tage geförderten Quadern und Ornamente zu schließen, die später erbauten Burgteile überhaupt nicht lange bestanden haben.
Sollte nun im Jahre 1270 gelegentlich der Eroberung der Feste Bischofsheim gegen alles Vermuten die Osterburg nicht geschleift worden sein, was nur aus Rücksicht gegen den Landesherrn unterblieben sein könnte, so geschah dies sicher im Jahre 1282 durch den Landesfürsten selbst. Die Eberstein nämlich, die mit den übrigen in Bischofsheim oder auf der Osterburg gefangenen Rittern begnadigt worden waren, trieben es mit ihren Räubereien bald wieder so arg, daß sich endlich Abt Bertho v. Bienbach in Fulda und Bischof Berthold v. Sternberg von Würzburg in einer Zusammenkunft zu Fuchsstadt verbanden und die sämtlichen den bereits genannten Raubrittern gehörigen Burgen in der Rhön brachen, was dann jedenfalls, falls dies nicht schon im Jahre 1270 geschehen, diesmal sicher auch mit der Osterburg geschah.
Bemerkenswert dürfte noch sein, daß die Osterburg in den ältesten im Jahre 1303 begonnenen Lehensverzeichnissen des Hochstifts Würzburg nicht mehr erwähnt wird und auch sonst von da an nichts mehr über jene in den Urkunden zu finden ist, wonach mit Bestimmtheit angenommen werden kann, daß sie damals nicht mehr existierte.
Die Osterburg war also zur Zeit ihrer Wiederentdeckung im Jahre 1897, seit 615 oder 627 Jahren unter Schutt und Wald spurlos verschwinden, bis sie durch Zufall wieder aufgefunden und nun als hochinteressante Ruine eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges geworden ist. Hauptsächlich aus Staatsmitteln erfolgte dann die Festigung der freigelegten Mauerwerke und deren Verfugung und Abdeckung zum Zwecke ihrer Erhaltung. Ferner wurde insbesondere auf den Wunsch der Stadt Bischofsheim und der Distriktsgemeinden durch deren Beiträge und mit ahnsehnlicher Unterstützung durch den Rhönklub der teilweise Wiederaufbau des großen Bergfrieds durchgeführt, welcher als eine weithin sichtbare Zierde der Gegend, zugleich als Aussichtsturm dient.
Besonders zu erwähnen möchte noch sein, daß bei dem Turmbaue nur ausgegrabene Steine des früheren Bergfrieds verwendet und keinerlei Neubauten aufgeführt wurden.
Die ehemals zur Osterburg gehörigen Grundstücke wurden nach deren Zerstörung als Würzburger Lehen, hauptsächlich zwei Hofgütern im nahen Haselbach, zugeteilt, und zwar gehörten nach Sebast. Stumpf's Topographie im Jahre 1796 der eine Hof den Freiherrn v. Ebersberg, genannt v. Weyhers, der andere den Enders'schen Hofleuten.
Bischofsheim-Haselbach, im August 1912.
Max Fuchs, Kgl. Forstmeister a. D.